> Aktuelles

Übersicht:

BUND fordert Bauverbot an Steilküsten

Angesichts der immer wieder auftretenden Küstenabbrüche, insbesondere auf der Insel Rügen, fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, ein generelles Bauverbot an den Steilküsten des Landes. Immer wieder zeigt sich, dass Bauprojekte zu dicht an die Abbruchkanten heranrücken und der natürliche Küstenrückgang, der bis zu 70 Meter und mehr in 100 Jahren umfassen kann, nicht mit einkalkuliert wird. Innerhalb kurzer Zeit geraten dann Bauwerke durch den Abbruch der Küsten in schwere Bedrängnis. Gegen diese Folgeschäden kann sich niemand versichern. Auch kann nicht verlangt werden, dass das Land derartige Küstenabschnitte mit enorm teuren Küstensicherungsmaßnahmen dauerhaft vor Abtrag sichert.

Es ist zudem ein Trugschluss anzunehmen, dass durch technische Maßnahmen, durch Hangentwässerungen oder durch Gesteinspackungen der Küstenrückgang gestoppt werden kann. Der Küstenrückgang ist ein natürlicher Prozess, verursacht durch die Kraft des Meeres, durch Niederschläge, Frost und Wind. Land, das an der einen Stelle verloren geht, wird andernorts wieder angespült. Auf diese Weise sind unsere Küsten ständig in Bewegung.

Steilufer auf Rügen (in Sellin) - die Bebauung erreicht fast die Kliffkante

Der anhaltende Bebauungsdruck an den Steilküsten Mecklenburg-Vorpommerns und die notwendigen Sicherungsmaßnahmen stellen nach Einschätzung des BUND eine ernste Bedrohung für natürliche Lebensgemeinschaften der Küsten dar. Der Wert der Küste für das Leben entsteht durch den ständigen Wandel, der immer wieder so genannte Pionierstandorte erzeugt. Auf ihnen lebt eine hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenwelt, die auf derartige Standorte angewiesen ist.

Die Abgeordneten des Landtages haben noch nicht verstanden, dass unsere Küsten mehr Schutz brauchen. Erst im vergangenen Jahr ließen sie gegen den Widerstand der Umweltverbände ein neues Naturschutzgesetz passieren, das den von Bebauung frei zu haltenden Küstenschutzstreifen von bisher 200 Meter auf 150 Meter verminderte. In Dänemark weiß man es besser: Dort ist der von Bebauung frei zu haltende Streifen auf 300 Meter heraufgesetzt worden, um teure Küstenschutzmaßnahmen und eine Zersiedelung der Küstenlinie zu verhindern.

Der derzeit vorliegende Entwurf eines Landes-Bodenschutzgesetzes für Mecklenburg-Vorpommern wir die Situation auch nicht verbessern. Bebauungspläne sollen dort von der Pflicht ausgenommen werden, eine Standfestigkeit des betreffenden Küstenabschnittes nachzuweisen. Über Bebauungspläne wird jedoch die überwiegende Zahl der Bauprojekte an der Küste realisiert. Damit läuft auch an dieser Stelle der Küstenschutz ins Leere.

Im Endeffekt werden der Schutz der Küsten vor Bebauung und damit der Schutz der Menschen vor wirtschaftlichen Schäden in Mecklenburg-Vorpommern sträflichst vernachlässigt. Fachlich verantwortlich sind dafür in erster Linie das Umwelt- und das Bauministerium.

© 2017 BUND Mecklenburg-Vorpommern - Impressum | Teilfinanziert durch: