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Lärmendes Spektakel - BUND fordert Verbot der Power-Boot-Rennen in der Wismarbucht

Veranstalter und Sponsoren missachten freiwillige Vereinbarung zum Schutz des Europäischen Schutzgebietes

Aus Anlass des für Ende Juli 2011 geplanten Power-Boot-Rennens (“Poker-Run Weiße Wiek Boltenhagen”) in der Wismarbucht vor Boltenhagen hat der BUND MV bei Veranstaltern, Sponsoren und der Genehmigungsbehörde, dem Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck, gegen die Durchführung der Veranstaltung protestiert und ein generelles Verbot derartiger Rennen in der Wismarbucht gefordert.

Die Wismarbucht ist eines der bedeutendsten Vogelschutzgebiete der Ostsee und vom Land Mecklenburg-Vorpommern als solches an die Europäische Kommission gemeldet. Die Nutzer der Wismarbucht haben sich mit der Umweltverwaltung des Landes auf eine freiwillige Vereinbarung verständigt, mit der sie sich verpflichten, das wertvolle Meeresgebiet schonend zu behandeln und damit dessen Naturschutz- und Erholungswert langfristig zu sichern. Es ist nicht akzeptabel, dass diese Vereinbarung durch Sonderveranstaltungen wie das Power-Boot-Rennen unterlaufen und konterkariert wird. Die Zeche zahlen im Zweifel nicht nur Vögel und Wale, sondern auch die einheimischen, regelmäßigen Nutzer, denen bei einer Schädigung der Natur Nutzungseinschränkungen drohen.

Gegenüber dem Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck reklamiert der BUND, dass die Verträglichkeit des Bootsrennens mit den Naturschutzzielen des Gebietes nicht ausreichend geprüft wurde. Damit hat sich die Behörde das Naturschutzrecht missachtet. Auch sind die Umweltbehörden und Naturschutzverbände nicht umfassend angehört worden.

Besonders unverständlich ist aus Sicht des BUND, dass sich die TUI AG – Betreiberin des Hotelkomplexes “Weiße Wiek” Boltenhagen – als Hauptsponsor der umweltschädigenden Veranstaltung betätigt. Mit einer eigenen Abteilung “Umweltmanagement” versucht der Konzern das Bild eines Konzerns zu vermitteln, der sich für Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität einsetzt. So heißt es auf der Internetseite der TUI AG: Unsere strategische Zielsetzung ist nicht die kurzfristige Vermarktung von Schutzgebieten, sondern die langfristige dauerhafte Inwertsetzung von biologischer Vielfalt als das Natur-Kapitalvermögen von Urlaubsregionen, um damit die natürlichen Grundlagen des Tourismus zu erhalten. Nach Auffassung des BUND wirken Power-Boot-Rennen in der Wismarbucht dieser Zielstellung eindeutig entgegen.

Auch in diesem Jahr sollen rund 11 Meter lange Boote mit einer Leistung von bis zu 2.000 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h an den Start gehen. Dabei reden die Veranstalter gern, um die Konflikte mit der Meeresumwelt zu verharmlosen, von Geschicklichkeitsrennen, bei denen es nicht laut zugehe. Die Veranstaltung in der Wismarbucht wird sogar vordergründig als “Charity Event“ getarnt. Die Realität sieht völlig anders aus: Tatsächlich handelt es sich um Marketing- und Wirtschafts-Events auf Kosten der Natur. Veranstaltungsberichte und Werbung sprechen Bände: Sie sind gezielt auf das Erleben von PS-starken Motoren und Hochgeschwindigkeit ausgerichtet. Da ist die Rede von 100 Meilen Adrenalin oder dem unvergesslichen 100mph Geschwindigkeitsrausch. 2007 war bei einer Veranstaltung im benachbarten Travemünde gar ein Todesopfer zu beklagen.

Nach den Veranstaltungen in den Jahren 2009 und 2010 soll nun zum dritten Mal eine Power-Boot-Rennveranstaltung an der Küste vor Boltenhagen stattfinden. Im Rahmenprogramm sind zusätzlich Hubschrauberrundflüge geplant. Veranstalter sind Unternehmen wie die “Offshore Performance Ibiza” mit Sitz auf der durch Massentourismus geprägten spanischen Insel. Hauptsponsor ist die TUI AG, die vor Ort mehrere Hotels betreibt. Das weltweit agierende Reiseunternehmen wirbt für sich mit einer eigenen Abteilung Umweltmanagement, die sich für Klimaschutz und Erhalt der biologischen Vielfalt engagieren soll. Es würde der Glaubwürdigkeit dienen, wenn hieraus auch eine konsequent umweltbewusste Verwendung von Sponsorengeldern erwachsen würde.

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